Harley-Davidson
Galerie & Költgen - Behindertengerechter V-Rod Umbau
Text+Bild: Karlheinz Wedhorn
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Harley fahr’n... Das
ist für viele eigentlich kein Problem, hat man sich einmal dazu durchgerungen,
sich bei einem autorisierten Händler sein Traumbike zu ordern, um dann
mit dem Milwaukee Iron den Fahrtwind und Landschaft zu genießen.
Ja, eigentlich kein Problem – nicht ganz, kennt man die Geschichte von
Conrad Carsten aus dem bayrischen Freilassing,
der seit der Geburt mit einer rechten Unterschenkelprothese lebt, voll
im Berufsleben steht und selbst als Freifaller im Fallschirmsport seinen
Mann steht.
Nur mit dem Mopedfahren sollte es nicht klappen ? Unvorstellbar, doch
jeder Versuch, einen Händler zu finden, der ihm ein Bike geTÜVt umbaut,
war immerhin über dreißig Jahre vergebliche Liebesmüh. Er erntete bedauerndes
Schulterzucken und niederschmetternde Antworten.
Schließlich erwarb er einen Motorroller, womit er als
Prothesenträger keine Probleme hatte, und so ging es mit Freunden und
dem 400 Burgmann im Jahr 2002 zum größten Europäischen Harley-Event, an
den Faaker See. Hier glänzten die Harleys um die Wette und die 100
Jahre Jubiläum’s V-Rod hatte es ihm angetan, nein regelrecht verliebt
hat er sich. Und da war sie wieder, die Frage, ob wohl ein Harley Händler
in der Lage ist, eine V-Rod auf seine Bedürfnisse umzubauen.
Über’s Internet stieß er auf die Geltinger
Harley Davidson Galerie, und als er mutig seinen ersten Anruf tätigte,
war er völlig überrascht, als er auf seine Aussage „ich
habe da ein Problem“ nicht die erwartete Abfuhr bekam, sondern
in Dipl. Ing. Wolfram Rummel einen kompetenten
Händler gefunden hatte, der hier eine Möglichkeit sah zu helfen,
um nicht nur einen Traum zu erfüllen.
Der Besuch in der Harley-Galerie wurde für Conrad Carsten ein wahres
Erlebnis, hier konnte er sich schon einmal auf sein Traummodell setzen
und von den gemeinsamen Ausfahrten träumen. Wolfram Rummel und
Klaus Böck, der Werkstattmeister, beobachteten dabei die Bewegungen
und Reaktionen von Conrad Carsten, als er die V-Rod aufrichtete und abstützte.
"Kein Problem“, war
die einstimmige Meinung, nur ein fester Halt an der Fußraste wurde in
Erwägung gezogen. Danach begann das gemeinsame Brainstorming, wie die
Hinterradbremse sicher auf den Bremsgriff verlegt werden kann.
Ein Anruf bei der Firma
Költgen aus Krefeld, die in der
Gestaltung und Ausführung von Behindertenfahrzeugen
sehr erfahren ist, brachte weiteres Erfinderlicht ins Dunkle, und
so wurde die schwebende Idee einer pneumatischen Bremse mit einem Mitnehmer
am Bremsgriff verwirklicht. Vor allem Klaus Böck zeigte sich begeistert,
da mit der Kombination Vorderradbremse und im Anschluss Hinterradbremse
die Maschine sicher in der Spur bleibt und nicht blockiert.
Simpel, sieht man die Konstruktion, und hat man sich als
alter Harley-Freak erst mal an das ungewohnte Geräusch beim Starten des
Motors gewöhnt, nämlich wenn sich der Kompressor mit Luft füllt, mag man
kaum mehr einen Unterschied zu einem Standardmodell erkennen. Der TÜV
hat die Maschine übrigens ohne große Probleme abgenommen, und sieht man
das Ergebnis, so fragt man sich, warum man nicht früher auf die Idee gekommen
ist.
Für Conrad Carsten war jedenfalls der Liefertermin kurz vor Weihnachten
nicht besser gewählt, denn er sah im Werkstattmeister Klaus Böck schon
Santa Klaus, als der vom Schlitten die V-Rod schob, nämlich seinen Traum,
auf den er 30 Jahre gewartet hatte. Ja, einen regelrechten Freudensprung
tat Conrad Carsten trotz Prothese, als sie endlich geparkt war und Santa
Klaus zwar nicht im Roten Buch zu Blättern begann, sondern im Manual,
um mit der Einweisung zu beginnen. Was tun wenn, wo ist was, und dann
wurde sie endlich angelassen und der Sound ließ das Herz höher schlagen,
ganz zu schweigen von der ersten Ehrenrunde, die der frisch gebackene
Harley Owner dank des milden Weihnachtswetters drehen konnte.
Wir sehen uns bei den Event’s
zur 100-Jahrfeier, und wer hier eine V-Rod sieht, die sich etwas von den
anderen abhebt, der weiß, dass Conrad Carsten irgendwo mitfeiert.
Interessiert? Die Harley-Davidson Galerie in Gelting steht mit Rat und Tat zur Seite.
siehe auch Presseartikel
in der Süddeutschen Zeitung vom 22. Januar 2003