Harley-Davidson:
Der Mythos aus der Bretterbude
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© dpa - Meldung vom 19.11.2002 13:14 Uhr
Harley-Davidson ist der Mythos aus der Bretterbude
Milwaukee (dpa/gms)
- Geburtstagsfeiern dauern in der Regel einen langen Abend - einige aber
auch ein ganzes Jahr. So hat man bei Harley-Davidson zwar die Feier des
100-jährigen Firmenbestehens für Ende August 2003 geplant. Doch begonnen
hat sie längst. Seit Juli 2002 zieht die Karawane der Enthusiasten um
die Welt.
Schließlich ist es ja auch eine große Feier wert, wenn die Schrauberei
zweier Männer in einer Holzbude nach 100 Jahren längst ein weltbekannter
Mythos ist. Abgesehen davon ist das Jahr 2003 nur einer von mehreren möglichen
Jubiläumsterminen. Zwar nahmen 1903 der 21-jährige William S. Harley und
sein 20-jähriger Kompagnon Arthur Davidson den Pinsel in die Hand, um
«Harley-Davidson Motor Company» an die Fassade einer Holzhütte zu malen.
Tatsächlich jedoch hatten sie schon zwei Jahre zuvor einen ersten Prototypen
auf die Räder gestellt.
Von dem typischen tiefen Motorsound und riesigen Hubräumen, die einmal
Harley-typisch werden sollten, war damals jedoch noch nicht die Rede.
Die Ur-Harley hatte einen Einzylindermotor, der den Fahrer mit der Kraft
von etwa drei Pferdestärken voran trieb. Auch die Beschleunigung der Verkaufszahlen
war noch gemächlich. Von drei Stück 1903 steigerte man sich bis 1905 auf
acht, 1906 waren es 50.
Das Jahr 1907 könnte ebenso als Harley-Ursprung durchgehen: Jetzt erst
wurde Harley-Davidson ins Handelsregister eingetragen. 1909 arbeiteten
bereits 35 Mitarbeiter in der deutlich vergrößerten Fabrik und bauten
1149 Motorräder. Außerdem schlug in diesem Jahr die Geburtsstunde einer
Technik, die fortan untrennbar mit dem Namen verbunden war: Es gab das
erste Motorrad der Marke mit einem Motor, dessen beide Zylinder in einem
45-Grad-Winkel in V-Form angeordnet sind.
Bis 1920 mauserte sich Harley-Davidson zum größten Hersteller, verkaufte
28 980 Motorräder in 67 Ländern. Allerdings folgte dem Aufstieg eine problematische
Zeit. Nach dem Ersten Weltkrieg stieg der Wohlstand, die Amerikaner kehrten
dem Zweirad den Rücken und leisteten sich ein Auto. Harley-Davidson gelang
das Krisenmanagement jedoch besser als der Konkurrenz. 1931 hatten von
den amerikanischen Motorradmarken neben Harley nur noch Indian überlebt.
1953 musste Indian die Produktion einstellen.
In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts schlidderte die Firma zwar noch
durch ein paar Krisen. Die Motorräder selbst jedoch wurden zu Ikonen der
Zweiradwelt - woran nicht zuletzt Hollywoodfilme wie «Easy Rider» einen
Anteil hatten: Sie stilisierten die V-Twins zu Symbolen für Freiheit und
Abenteuer.
Zu den Motoren hatte die Fangemeinde eine besonders enge
Beziehung.
Jede Veränderung der «Twins» bekam einen untechnischen Kosenamen verpasst,
der sich vor allem auf die Form der Zylinderköpfe oder deren Verkleidung
bezog. So gilt der von 1929 bis 1956 gebaute Zweizylinder wegen seiner
flachen Köpfe als «Flathead», der «Knucklehead» (1936 bis 1947) wiederum
erinnert mit seiner knubbeligen Form an die Knöchel einer zur Faust geballten
Hand. (siehe Bild).
1948 bis 1965 war dann der «Panhead» dran, den zwei pfannenförmige Deckel
zierten, während der «Shovelhead» (1966 bis 1985) seinen Namen schaufelförmigen
Einbuchtungen verdankt. Danach war die Fantasie wohl ausgereizt: «Evolution»,
oder «Twin Cam 88» folgten, neuester im Bunde ist der von Porsche mit
entwickelte «Revolution»-Motor.
Vergessen wird im Reigen der großvolumigen Zweizylinder oft, dass die
Firma nicht nur stilvolle Motorräder baute. Da gab es etwa von 1932 an
ein Gefährt, das aussah, als wäre ein Einkaufswagen mit einem Motorrad
zusammengestoßen. Allerdings sollte das «Servi Car» keinen Schönheitswettbewerb
gewinnen. Vielmehr diente das Dreirad mit Ladefläche bis in die siebziger
Jahre als Polizeifahrzeug.
Gänzlich unter den Tisch gekehrt wird oft eine andere Episode der Firmengeschichte.
Denn während sich die Harley-Mannen gern empören, wenn japanische Produzenten
V-Motoren im Harley-Stil für ihre Cruiser bauen, bekam Harley einst sogar
von offizieller Seite einen Auftrag zur Imitation der Konkurrenz. Im Zweiten
Weltkrieg soll sich die US-Armee von der Geländetauglichkeit der Feindmotorräder
Marke BMW in den Wüsten Afrikas so begeistert gezeigt haben, dass sie
von Harley-Davidson entsprechende Nachbauten forderte. Immerhin 1011 dieser
XA 750 mit Boxermotor nach BMW-Vorbild sind 1942 entstanden.
© dpa - Meldung vom 19.11.2002 13:14 Uhr